{"id":59,"date":"2017-05-27T21:18:58","date_gmt":"2017-05-27T21:18:58","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaft-ethik-zukunft.eu\/?p=59"},"modified":"2017-06-03T19:53:05","modified_gmt":"2017-06-03T19:53:05","slug":"zero-waste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaft-ethik-zukunft.eu\/?p=59","title":{"rendered":"Zero Waste"},"content":{"rendered":"<p>wirklich kein M\u00fcll? Kann man 2017 in einem Industrieland in einem Haus mit Familie und schulpflichtigen Kindern gut leben, ohne M\u00fcll zu produzieren? Und zwar nicht als Selbstversorger noch in Armut lebend, sondern genussvoll und leicht mit Zeit f\u00fcr Freunde und Reisen? Offenbar geht es schon, wie die zero-waste Aktivistin Bea Johnson am 2. Mai im Haus am Dom gezeigt hat. Sie hat schrittweise ihren Konsum- und Lebensstil so ge\u00e4ndert, dass sie mit ihrer Familie fast keinen M\u00fcll mehr hinterl\u00e4sst \u2013 ein Einweckglas (!) im Jahr mit ihrer vierk\u00f6pfigen Familie. W\u00fcrden Sie es auch schaffen? Bisher dachte ich, dass ich unter den gegebenen Umst\u00e4nden schon ziemlich \u00f6kologisch leben w\u00fcrde, doch obwohl ich weder Auto noch Fernseher habe und meine Haupteinkaufsquelle der Wochenmarkt ist, bleibt noch viel Luft nach oben besser gesagt nach unten in Richtung Null. Damit es im Alltag gelingt, folgt Bea Johnson 5 einfachen Prinzipien: vermeiden (refuse), reduzieren (reduce), wiederverwerten (recyle), reparieren (repair), kompostieren (rot).<\/p>\n<p>F\u00fcr sie ist M\u00fcllvermeiden der Schl\u00fcssel f\u00fcr Ihren Lebensstil, kein moralisches Arbeitsprogramm oder schlechtes Gewissen, weil man doch immer wieder an den unerreichbaren Zielen scheitert, sondern Freude am Ausprobieren und an dem, was man f\u00fcr sich Neues entdeckt. Ein neuer Lifestyle hat aber auch AusWirkungen \u2013 \u201ebuying is voting\u201c. So etwas hat man schon mal bei Marktliberalen geh\u00f6rt. F\u00fcr Bea Johnson ist ihr Lebensstil ein Signal an das Wirtschaftssystem. Wenn sie allein bleibt, dann dann wird sie von diesem ignoriert, schafft sie es aber andere anzustecken, dann wird eine Bewegung draus, die nicht mehr \u00fcbersehen werden kann, weder von der Wirtschaft noch von der Politik. Eine solche Bewegung gibt es schon. In Frankfurt kamen binnen kurzer Zeit etwa 150 vornehmlich j\u00fcngere Leute zusammen, die schon auf einem guten Weg sind. Auf dem anschlie\u00dfenden Podium waren Vertreterinnen und Vertreter vom unverpackt-Laden grammgenau, von cradle to cradle, dem Nachhaltigkeitslernen, der Initiative \u201eBerger Str. plastikfrei\u201c, von carpefuturum, Lust auf besser Leben und dabei sind noch nicht einmal jene erw\u00e4hnt, die im Publikum mit ihren eigenen Projekten sa\u00dfen.<\/p>\n<p>Entgegen dem Selbstbild der Deutschen liegen wir mit \u00fcber 600 kg M\u00fcll pro Kopf im Jahr in der Spitzengruppe der gr\u00f6\u00dften M\u00fcllerzeuger in Europa. Die M\u00fclltrennung, sofern sie funktioniert, dient zuweilen mehr dem guten Gewissen als der Umwelt. Entscheidend sind die Recyclingquoten, die mit dem neuen Verpackungsgesetz sollen die Quoten erh\u00f6ht werden. Damit ein echtes Recycling, also die R\u00fcckgewinnung der Rohstoffe anstelle von M\u00fcllverbrennung, gelingen kann, braucht es zun\u00e4chst ganz andere Produktionsweisen. Technisch ist es m\u00f6glich, doch dazu wird eine Selbstverpflichtung und Selbstorganisation der Branchen wohl nicht ausreichen.\u00a0Was die Industrie und der Handel nicht schafft, k\u00f6nnte aber von den Verbrauchern forciert werden und die Politik w\u00fcrde einen wichtigen Ansto\u00df bekommen.<\/p>\n<p>Aber weshalb sollten wir uns von Bea Johnson inspirieren lassen?<\/p>\n<p>Bea Johnson regt uns an, dar\u00fcber zu reflektieren und noch viel mehr auszuprobieren, was wir zu einem guten Leben, zu einem Leben in F\u00fclle tats\u00e4chlich brauchen. So gefragt finden unsere materiellen Bed\u00fcrfnisse schnell ihre Grenzen und wir n\u00e4hern uns unseren tieferen Bed\u00fcrfnissen wie Freundschaften pflegen, Zeit f\u00fcr die Familie, f\u00fcr das Reisen und wohl auch zum sozialen Engagement.<\/p>\n<p>Ja und \u201ewenn das alle Menschen so machen\u201c, was wird dann aus unserer Wirtschaft, den Arbeitspl\u00e4tzen und den sozialen Sicherungssystemen? Wirtschaft war schon immer in Ver\u00e4nderung, erst wenn sie sich nicht mehr anpassen kann, kommt es zum Niedergang. Auch unsere Vorstellung von Arbeit wird sich \u00e4ndern und auch dies ist eine gro\u00dfe Chance.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>wirklich kein M\u00fcll? Kann man 2017 in einem Industrieland in einem Haus mit Familie und schulpflichtigen Kindern gut leben, ohne M\u00fcll zu produzieren? Und zwar nicht als Selbstversorger noch in Armut lebend, sondern genussvoll und leicht mit Zeit f\u00fcr Freunde und Reisen? 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