{"id":52,"date":"2017-03-31T19:31:58","date_gmt":"2017-03-31T19:31:58","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaft-ethik-zukunft.eu\/?p=52"},"modified":"2017-03-31T19:31:58","modified_gmt":"2017-03-31T19:31:58","slug":"lassen-sich-spitzengehaelter-rechtfertigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaft-ethik-zukunft.eu\/?p=52","title":{"rendered":"Lassen sich Spitzengeh\u00e4lter rechtfertigen?"},"content":{"rendered":"<p>Wer Spitzenleistung erbringt, verdient auch ein Spitzengehalt, das klingt erst einmal logisch und nach Leistungsgerechtigkeit. Diese Logik lebt auch von dem Mythos eines Unternehmertums, welches durch \u201esch\u00f6pferische Zerst\u00f6rung\u201c (Josef Schumpeter) den Markt aufr\u00fcttelt und damit Quell der wirtschaftlichen Dynamik und des materiellen Wohlstandes ist. Vielleicht hat Schumpeter solche Unternehmer auch idealisiert, aber sicher dominieren sie nicht den Gro\u00dfteil der Wirtschaft. Es sind vielmehr die etablierten Gro\u00dfunternehmen, welche die Industriegesellschaft pr\u00e4gen. Ihre Wertsch\u00f6pfung beruht auf einer extrem ausdifferenzierten Arbeitsteilung. Adam Smith, hat am Beispiel der Nadelherstellung die enorme Steigerung der Arbeitsproduktivit\u00e4t durch Arbeitsteilung in klassischer Weise beschreiben und zwar noch ohne den Einsatz neuer Technologien und dem Einsatz von Maschinen (= Kapital).<\/p>\n<p>Nun machen immer wieder absurd hohe Verg\u00fctungen Schlagzeilen. Gegenw\u00e4rtig bei VW (Winterkorn, 17 Mio \u20ac Jahresverdienst in den Jahren vor dem Skandal, 3100 \u20ac Pension pro Tag, entspricht einem Barwert 28,6 Mio Euro) oder Abfindungen wie bei Rex Tillerson (180 Mio $). Die moralische Emp\u00f6rung folgt auf dem Fu\u00df. Wodurch lassen sich aber derart hohe Verg\u00fctungen rechtfertigen? Kann man selbst bei talentierten und absolut integren Managern (Spitzenb\u00fcrokraten) einen so hohen Beitrag zur Wertsch\u00f6pfung des Unternehmens irgendwie zuordnen? In guten Zeiten kann in einer gut organisierten Firma auch ein Depp erfolgreich sein, sofern er nicht in den gut geregelten Ablauf st\u00f6rend eingreift. In Krisenzeiten kann auch die talentierteste Managerin Verluste, Entlassungen und m\u00f6glicherweise den Niedergang der Firma nicht verhindern. Ob Erfolg oder Misserfolg, die Entscheidungen daf\u00fcr liegen oft so weit zur\u00fcck, dass sie oft nicht dem aktuellen Management zugeschrieben werden k\u00f6nnen. \u00c4hnlich ist es auch in der Wirtschaftspolitik, wo die gegenw\u00e4rtigen Politiker sich mit Erfolgen schm\u00fccken, zu denen sie nichts beigetragen haben.<\/p>\n<p>Wird F\u00fchrung also \u00fcbersch\u00e4tzt? Zwischen den Managergeh\u00e4ltern in Japan, Europa und den USA klafft jeweils ein L\u00fccke um den Faktor 10. Hei\u00dft dies, dass japanische Unternehmen schlechter gef\u00fchrt, weniger innovativ oder produktiv sind? &#8211; Sicher nicht, sonst h\u00e4tte man nicht so viel Respekt vor ihnen und die Furcht, dass die eigenen Unternehmen nicht mehr konkurrenzf\u00e4hig gegen\u00fcber den japanischen w\u00e4ren. Kulturelle Argumente d\u00fcrften vorgeschoben sein, wenn man nach dem Beitrag des Managements zur Wertsch\u00f6pfung des Gesamtunternehmens fragt. Mit dem Legitimieren wird es also schwierig, vor allem weil eine extreme Einkommensspreizung gesellschaftlich destabilisierend wirken kann und auch den Grundlagen des Wirtschaftens abtr\u00e4glich sind. Glaubhafter ist dagegen schon die Erkl\u00e4rung, dass die nach wie vor gut vernetzten Aufsichtsr\u00e4te sich sehr teure Manager mit Starimage holen, damit sie im Versagensfall immer sagen k\u00f6nnen, dass sie doch die besten der Top-Manager geholt haben, vergleichsweise im Fu\u00dfball, wo die Geh\u00e4lter mit dem Starstatus in astronomische H\u00f6hen schnellen.<\/p>\n<p>Schon Max Weber analysierte die Tendenz der Gro\u00dfunternehmen, eine gro\u00dfe B\u00fcrokratie auszubilden. Werden Spitzengeh\u00e4lter also einfach f\u00fcr Spitzenpositionen an sich gezahlt? Aber wer hat \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit, in eine solche Position zu kommen? Talent und hohe intellektuelle F\u00e4higkeiten sind es nicht unbedingt, man denke nur an das erb\u00e4rmliche Bild, welches Thomas Middelhoff bei Karstadt-Arcandor-Pleite abgegeben hat. Michael Hartmann, zuletzt erschien von ihm: \u201eDie globale Wirtschaftselite. Eine Legende\u201c, zeigt vielmehr eine sich selbst reproduzierende Elite, die sich gegenseitig in Positionen bringt. Oder wie gut sind die Chancen f\u00fcr Frauen, Bildungsaufsteiger, talentierte Migranten oder alle Personen, die nicht \u00fcber diese Netzwerke verf\u00fcgen, in Top-Positionen zu kommen?<\/p>\n<p>Neben den kritischen Anfragen an die Leistungen und Verg\u00fctungen des Spitzenpersonals in Gro\u00dfunternehmen, bleibt im \u00dcbrigen die volkswirtschaftlich alte und dennoch zentrale Frage der Verteilung des Gewinn zwischen den Arbeitnehmern (inkl. den leitenden) und den Kapitaleignern (meist Aktion\u00e4re).<\/p>\n<p>Nun wird anl\u00e4sslich aktueller F\u00e4lle exorbitanter Einkommen und Pensionen politisch \u00fcber eine Begrenzung der Vorstandsgeh\u00e4lter diskutiert. Denkbar w\u00e4re einfach eine Obergrenze, wobei Horst Seehofer sich sicherlich \u00fcber die eigenst\u00e4ndige Karriere seines Begriffes wundern d\u00fcrfte. In politischen Diskussion dominieren zwei Modelle: 1) Die Aktion\u00e4re sollen \u00fcber Vorstandsgeh\u00e4lter entscheiden. Damit sind aber nicht die Interessen der Belegschaft vertreten, obwohl diese nicht weniger am Erfolg des Unternehmens beteiligt ist, s.o. Adam Smith. 2) Die H\u00f6he der Vorstandsgeh\u00e4lter orientiert sich an den L\u00f6hnen der Belegschaft und ergibt sich aus einem Vielfachen eines Facharbeiters. Aber welcher Faktor ist leistungsgerecht und fair?<\/p>\n<p>All diese Vorschl\u00e4ge verbleiben im Rahmen hierarchischer Modelle, die in der bisherigen Form der Vergangenheit verhaftet bleiben.<\/p>\n<p>Dass es auch anders geht, zeigt Frederic Laloux in seinen Buch \u201eReinventing Organizations\u201c, in welchem er die Struktur selbstorganisierter Unternehmen verschiedenster Branchen untersucht. Mit der Abschaffung hierarchischer F\u00fchrung sind diese Unternehmen produktiver und die Mitarbeiter engagierter geworden. Auch die Frage nach dem Sinn der Arbeit in diesen Unternehmen ist hier kein Luxus, sondern Teil der strategischen Orientierung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer Spitzenleistung erbringt, verdient auch ein Spitzengehalt, das klingt erst einmal logisch und nach Leistungsgerechtigkeit. Diese Logik lebt auch von dem Mythos eines Unternehmertums, welches durch \u201esch\u00f6pferische Zerst\u00f6rung\u201c (Josef Schumpeter) den Markt aufr\u00fcttelt und damit Quell der wirtschaftlichen Dynamik und des materiellen Wohlstandes ist. 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